
Immer mehr Kinder mit schweren Erkrankungen verlieren den Zugang zu ihrem Schulalltag, was ihre soziale und schulische Entwicklung stark beeinträchtigen kann. Im Zollernalbkreis wird seit einigen Monaten eine innovative Lösung in Form von Avataren eingesetzt, die es erkrankten Schülern ermöglicht, am Unterricht teilzunehmen. Laut Schwäbischer Zeitung beschrieb Christoph Abt, der Leiter des Kreismedienzentrums, die Avatare als kleine Roboter, die mit Kameras und Mikrofonen ausgestattet sind. Diese Technologie ermöglicht es Schülern, den Unterricht in Echtzeit von zu Hause oder aus dem Krankenhaus zu verfolgen.
Die Schüler steuern ihren Avatar über ein Tablet und können aktiv am Unterricht teilnehmen, einschließlich Gruppenarbeiten. Eine LED-Leuchte am Avatar signalisiert der Lehrkraft, wenn das Kind etwas sagen möchte, sodass eine einfache und effektive Kommunikation gewährleistet ist. Die Avatare tragen zur Vermeidung von schulischen Rückschlägen bei und helfen den Kindern, den Kontakt zu ihren Mitschülern aufrechtzuerhalten. Mitschüler sind dafür verantwortlich, dass der Avatar pünktlich im Unterricht erscheint. Der Einsatz der Technologie erfordert keinen zusätzlichen Aufwand für die Lehrkräfte, da das Kreismedienzentrum umfassende Unterstützung bietet.
Hoher Bedarf und Unterstützung
Seit der Anschaffung der Avatare im Juli und November des vergangenen Jahres haben fünf schwer kranke Kinder wieder regelmäßig am Unterricht teilgenommen. Aufgrund des großen Interesses an dieser Technologie gibt es bereits eine Warteliste für die Avatare. Christoph Abt äußerte die Hoffnung auf finanzielle Unterstützung, um einen weiteren Avatar anzuschaffen. Eltern von erkrankten Schülern können sich direkt an ihre Schule wenden, um einen solchen Avatar anzufordern.
Im Rahmen eines anderen Projekts, dem „Privatheitsfreundlichen mobilen Avatar für kranke Schulkinder“ (PRIVATAR), arbeiten die Universitäten Bonn, Göttingen und Duisburg-Essen gemeinsam mit der chilli mind GmbH daran, chronisch kranken Schulkindern die Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen. Laut Universität Bonn sollen mobile Roboter als Avatare fungieren, die den Kindern, die zu Hause bleiben müssen, als „Beine, Augen, Ohren und Sprachrohr“ im Schulalltag dienen.
Ein zentrales Anliegen dieses Projekts ist der Schutz der Privatsphäre aller Beteiligten. Die Roboter sind mit Sensoren ausgestattet, um sicher zu navigieren und mit Menschen zu interagieren. Gleichzeitig zielt das Projekt darauf ab, die Nutzung sensibler Daten, wie Videoaufnahmen und Standortinformationen, zu minimieren. Prof. Dr. Maren Bennewitz, die das Humanoid Robots Lab leitet, betont, dass Benutzeroberflächen so gestaltet werden sollen, dass sowohl Kinder als auch Lehrkräfte ihre Datenschutzeinstellungen selbstständig anpassen können. Die Roboter bieten zudem Anwendungsmöglichkeiten über den schulischen Kontext hinaus, beispielsweise in Museen.