
Am 28. März 2025 fand in Regensburg der 20. Ostbayerische Sachverständigentag statt, der von den IHKs Passau und Regensburg, der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz sowie den Sachverständigenverbänden BVS Bayern, LVS Bayern und VöS veranstaltet wurde. Rund 180 Expertinnen und Experten diskutierten über die Chancen und Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz (KI) im Sachverständigenwesen.
Ein zentrales Thema der Veranstaltung war die Enttarnung von KI-generierten Deepfakes. Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK, hob die Bedeutung von Sachverständigen in der Digitalisierung hervor. Dr. Stefan K. Braun, ein Sachverständiger für Medienproduktion und Mediendesign, erläuterte die Manipulationsmöglichkeiten von Fotos, Audio und Video und nannte mehr als 3.000 Analysemöglichkeiten zur Identifikation von Bildmanipulationen. Ein Beispiel für diese Techniken ist die Analyse eines Pressefotos aus dem britischen Königshaus, das nahezu unverändert blieb. Die Videoanalyse nutzt ähnliche Verfahren und wird durch KI-gestützte Auswertungsmöglichkeiten ergänzt. Braun betonte, dass seine Kunden Gerichte, Journalisten, kriminalpolizeiliche Ermittler und Privatpersonen sind, und dass der Einsatz von KI-Tools die Arbeit im Sachverständigenbüro unterstützen, jedoch nicht die persönliche Leistungserbringung gefährden sollte.
Forschung zu Deepfakes
Die Faszination der Wissenschaftler für Deepfakes, die KI-gestützt Stimmen, Fotos und Videos erzeugen und manipulieren können, wächst stetig. Laut einem Bericht des Fraunhofer-Institut AISEC sind hochwertige Manipulationen, die früher schwierig waren, dank moderner KI-Technologie nun deutlich einfacher umzusetzen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) identifiziert drei Hauptverfahren zum Fälschen von Gesichtern: Face Swapping, Face Reenactment und die Synthese neuer Identitäten. Bei der Manipulation von Stimmen spielen Text-to-Speech (TTS) und Voice Conversion (VC) eine entscheidende Rolle.
Die Forschungsarbeit konzentriert sich vornehmlich auf die Informatik, vor allem im Hinblick auf die Erkennung von Deepfakes, sowie auf rechtliche Rahmenbedingungen. Allerdings bestehen Forschungslücken in den Bereichen Datenschutz, formale Eigenschaften von Deepfakes sowie deren Verbreitung und Auswirkungen auf den Mediensektor. Neueste Ansätze zur Erkennung benötigen nur wenige Sekunden Audiomaterial der Zielperson, während Methoden aus der Medienforensik dazu verwendet werden können, Artefakte in manipulierten Inhalten zu erkennen.
Zusätzlich hat die Corona-Pandemie die Nutzung digitaler Werkzeuge in der Forschung und Lehre verstärkt, gleichzeitig jedoch auch das Risiko von Desinformation erhöht. Forscher sollten Originalmedien aufbewahren, um mögliche Fälschungen zu entlarven. Deepfakes werden häufig in Desinformationskampagnen eingesetzt, um das Vertrauen in öffentliche Personen zu untergraben. Besonders Wissenschaftler, die in kontroversen Debatten aktiv sind, sind von diesem Missbrauch betroffen, was zu Reputationsschäden und finanziellen Verlusten führen kann, da ihnen falsche Aussagen in den Mund gelegt werden.