
Im Rahmen des Frauenfestivals zum Weltfrauentag fand ein Online-Vortrag von Soziologin und Finanzbildungsexpertin Birgit Happel statt, der sich mit der finanziellen Unabhängigkeit von Frauen auseinandersetzte. Die Veranstaltung wurde von der Volkshochschule Landsberg und der Kommunalen Gleichstellungsstelle organisiert. Teilnehmer hatten die Möglichkeit, sowohl vor Ort im Sitzungssaal des Landratsamts Landsberg am Lech als auch online teilzunehmen.
Happel warnte vor der ökonomischen Benachteiligung von Müttern und erläuterte die Versorgungs- und Vermögenslücke, die Frauen betrifft. Der Vortrag thematisierte die Erkenntnisse, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer und einen Großteil der unbezahlten Sorgearbeit leisten. Ein zentraler Punkt war, dass Mütter häufig in Teilzeit beschäftigt sind, was zu einer zusätzlichen Benachteiligung führt. Die Begriffe Gender Pay Gap, Gender Care Gap und Financial Literacy Gap wurden hervorgehoben.
Wichtige Empfehlungen für Frauen
Während des Vortrags stellte Happel fest, dass viele Frauen sich der finanziellen Risiken, die aus mangelnder Selbstbestimmung resultieren, nicht bewusst sind. Es wurde häufig Unkenntnis über die Vermögensverhältnisse der Familie und das Einkommen des Partners festgestellt. Daher empfahl Happel, Gespräche über finanzielle Transparenz und Kompensationen für Care-Arbeit zu führen. Die Düsseldorfer Tabelle wurde als Orientierungshilfe für finanzielle Kompensation genannt.
Ein weiterer wichtiger Punkt war die Aufforderung an Frauen, sich aktiv mit Geldanlagestrategien auseinanderzusetzen. Happel betonte, dass Finanzbildung nicht nur individuell, sondern auch gesellschaftlich von Bedeutung ist, da Regionen mit besserer finanzieller Bildung im Schulunterricht einen Rückgang häuslicher Gewalt verzeichnen. Zudem zeigte sich ein zunehmendes Interesse jüngerer Frauen an finanzieller Selbstbestimmung. Die Veranstalterinnen unterstrichen die Dringlichkeit, finanzielle Selbstbestimmung für Frauen voranzutreiben.
In einer ergänzenden Untersuchung zu Geschlechterunterschieden in der finanziellen Bildung, veröffentlicht auf [pmc.ncbi.nlm.nih.gov](https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3462438/), wurde ermittelt, dass der Großteil der Geschlechterlücke in der finanziellen Bildung nicht auf Unterschiede in den Eigenschaften von Männern und Frauen zurückzuführen ist, sondern auf Unterschiede in den Koeffizienten. Die Studie zeigt auch, dass Frauen aufgrund weniger Ressourcen, kürzerer Erwerbszeiten und niedrigerer Rentenansprüche einem höheren Risiko finanzieller Probleme ausgesetzt sind. Unverheiratete Frauen haben im Vergleich zu verheirateten Paaren und unverheirateten Männern deutlich geringere Vermögenswerte.
Die Untersuchung belegt, dass weniger als 20 % der mittelalten, hochschulgebildeten Frauen grundlegende Fragen zu Zinseszinsen beantworten können, während dieser Wert bei gleichaltrigen Männern etwa 35 % beträgt. Zudem gibt es signifikante Unterschiede in der finanziellen Bildung zwischen verheirateten und unverheirateten Frauen; verheiratete Frauen sind in der Regel finanziell gebildeter als ihre unverheirateten Kolleginnen.