
Im Zuge der juristischen Aufarbeitung der Vorwürfe gegen den Grünen-Bundestagsabgeordneten Stefan Gelbhaar hat die Bundespartei keine Priorität in der internen Untersuchung der Vorwürfe gezeigt. Trotz schwerwiegender Vorwürfe wegen sexueller Belästigung, die sich als fingierte Zeugenaussagen herausgestellt haben, hat sich die Bundespartei nicht ausreichend mit den Vorwürfen auseinandergesetzt. So setzte der Bundesvorstand eine Kommission unter der Leitung von Anne Lütkes und Jerzy Montag ein, die klären soll, was bei der Aufarbeitung durch die Ombudsstelle schiefgelaufen ist. Die Kommission befasst sich jedoch nicht mit den Vorwürfen selbst, wie [Bild.de](https://www.bild.de/regional/berlin/fall-gelbhaar-gruene-nicht-mehr-an-aufarbeitung-interessiert-67c85fc33497e53e45b77214) berichtet.
Die Vorwürfe gegen Gelbhaar wurden erstmals im Dezember 2024 öffentlich. Eine mutmaßliche Initiatorin, Shirin Kreße, trat von ihrem Posten und aus der Partei aus. In der Folge zog Gelbhaar seine Kandidatur für die Bundestagswahl unter dem Druck der öffentlichen Vorwürfe zurück und verlor die Direktkandidatur für Berlin-Pankow gegen Julia Schneider. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, hat jedoch bereits klargestellt, dass gegen Gelbhaar keine Anzeigen vorliegen. Trotz der eindeutigen Entwicklungen hält Gelbhaar weiterhin um seinen guten Ruf und erhält dabei keine relevante Unterstützung von seiner Partei.
Unklare Vorwürfe und interne Unruhe
Die Situation wird durch weitere Recherchen kompliziert, die ergeben haben, dass die Belästigungsvorwürfe gegen Gelbhaar von einer Bezirkspolitikerin unter falscher Identität erhoben wurden. Diese gravierenden Verdachtsmomente führten bei den Grünen zu Besorgnis, die Parteichefs drohten sogar mit einem Parteiausschlussverfahren, wie [Tagesschau.de](https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/gruene-gelbhaar-100.html) berichtete. In diesem Zusammenhang kündigte Shirin Kreße auch an, ihr Mandat in der Bezirksverordnetenversammlung niederzulegen.
Ein Teil der Berichterstattung durch den rbb wurde mittlerweile gelöscht, nachdem Zweifel an der Identität einer wichtigen Informantin aufkamen. Der Bericht stellte fest, dass journalistische Standards nicht eingehalten wurden, was die Glaubwürdigkeit der Vorwürfe weiter in Frage stellt. Inzwischen wurden bereits einige wesentliche Vorwürfe gegen Gelbhaar ausgeräumt, jedoch gibt es weiterhin weitere Vorwürfe, die nicht abschließend geklärt sind.