
Die Sorgen und Ängste junger Menschen in Deutschland nehmen zu. Dies zeigt die aktuelle Shell-Jugendstudie 2024, die auf eine verstärkte Besorgnis über Krieg, Armut, Umweltverschmutzung und soziale Feindseligkeit hinweist. Insbesondere Jugendliche in Westdeutschland äußern Bedenken über die gesellschaftliche Entwicklung und zukünftige Perspektiven.
Im Rahmen einer Umfrage zu diesen Themen äußern Noah und Charlotte, beide 18 Jahre alt und Schüler am Gymnasium Alleestraße in Siegburg, ihre Zukunftsängste. Noah ist besorgt über mögliche Veränderungen im Sozialsystem, insbesondere die Abschaffung des Bürgergeldes, sowie um die weltpolitische Lage. Charlotte hingegen befürchtet den Rechtsruck in der Gesellschaft und die Polarisierung, die durch soziale Medien gefördert wird.
Jugendliche in Angst vor gesellschaftlichen Entwicklungen
Noah, der trans ist, hat zusätzlich Bedenken aufgrund seiner Einreise in die USA, die durch die Änderung seines Geschlechts im Pass kompliziert werden könnte. Charlotte spricht auch die Sorge über eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht an. Patrick Mendel, Leiter des Jugendzentrums Deichhaus in Siegburg, stellt fest, dass viele Jugendliche beim Übergang von Schule zu Beruf wenig Vertrauen in ihre Zukunft haben. Sie wünschen sich mehr Raum und Möglichkeiten in ihrer Stadt.
Andreas Wabnik, Leiter des Siegburger Kulturcafés, bemerkt ein abnehmendes Interesse an weltpolitischen Themen unter Jugendlichen und arbeitet daran, die Bedeutung von politischen Zusammenhängen und die Seriosität von Informationen in sozialen Medien zu vermitteln. Laut Sibylle Friedhofen vom Sankt Augustiner Kinderschutzbund ist es entscheidend, die Ängste der Jugendlichen ernst zu nehmen und ihnen positive Impulse zu geben. Lokale Beratungsangebote stehen bereit, um Kinder und Jugendliche mit ihren Zukunftsängsten zu unterstützen, inklusive der Telefonnummern des Kinderschutzbundes und der Telefonseelsorge.
Zusätzlich zeigt die Shell-Jugendstudie 2024 eine steigende Unterstützung für autokratische und autoritäre Haltungen unter Jugendlichen. Die Umfrage, die eine repräsentative Stichprobe von 2509 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren erfasste, berichtete, dass in Westdeutschland 77% der Jugendlichen mit der Demokratie zufrieden sind, während es in Ostdeutschland nur 60% sind. Der Anteil der Jugendlichen, die autokratische Positionen unterstützen, ist von 33% auf 44% gestiegen. Die Ängste vor einem Krieg in Europa, wirtschaftlicher Verschlechterung und Armut stehen an oberster Stelle. Während 56% der Jugendlichen optimistisch in die Zukunft blicken und 75% der Meinung sind, dass Deutschland ihnen Möglichkeiten zur Verwirklichung ihrer Lebensziele bietet, sind 80% dennoch von der Angst vor einem Krieg in Europa betroffen, wie rnd.de berichtet.
Die Erkenntnisse aus der Shell-Jugendstudie verdeutlichen die dringenden Bedürfnisse und Ängste der Jugendlichen in Deutschland und zeigen die Herausforderungen auf, mit denen sie hinsichtlich ihrer Zukunft konfrontiert sind, jedoch ist die Bereitschaft zur politischen Partizipation da, was die SPD in ihren Forderungen nach einer stärkeren Einbindung der Jugendlichen in politische Prozesse betont.