
Am Stettfelder Friedhof wird bald ein Grabstein von Leelamma Nadamala als Denkmal für ihre bewegende Geschichte aufgestellt. Leelamma Nadamala, eine Frau aus Südindien, fand in den 1960er Jahren in Deutschland eine neue Heimat. Ihre Erzählung ist ein bedeutendes Kapitel in der deutsch-indischen Beziehung und verdeutlicht die Migrationsgeschichte, die zur Ankunft vieler indischer Frauen in Deutschland führte.
Die katholische Gemeinde in Stettfeld entwickelte sich in dieser Zeit zum Zentrum der deutsch-indischen Migration. Historiker Dr. Tobias Santosh Großmann wird am 22. März 2025 um 14 Uhr im Römerkeller am Marcellusplatz in Ubstadt-Weiher einen Vortrag halten, der sich mit der Migration von Frauen aus Kerala nach Deutschland befasst. Diese Migration wurde maßgeblich durch das Wirken von Leelamma Nadamala und Pfarrer Hubert Debatin angestoßen. Hunderte junge Frauen aus Kerala folgten dem Beispiel und fanden über Stettfeld den Weg nach Deutschland, was zu einer Kettenmigration führte.
Vortrag zur Migration und deren Folgen
Tausende indische Migrantinnen arbeiteten im Pflegesektor und in Ordenshäusern in Deutschland, und Stettfeld wurde für viele Frauen zu einem Zufluchtsort, unterstützt von deutschen Gastfamilien. Anlässlich des Vortrags wird auch an Leelamma Nadamala erinnert, die 1966 im Alter von 22 Jahren starb. Zeitzeugen werden an den Ursprungsort zurückkehren, um ihre Erinnerungen an die Migration auszutauschen.
Dr. Santosh Großmann hat an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt über die Migrationsgeschichte indischer Pflegekräfte promoviert. Seine Dissertation trägt den Titel „Fachkräftemigration – Pflegenotstand – Nächstenliebe: Katholische Frauen aus Kerala (Indien) in deutschen Krankenhäusern der 1960er Jahre“. Die Veranstaltung wird vom Bildungswerk Forst und Ubstadt-Weiher organisiert, der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
Gleichzeitig wird in Deutschland der dringende Bedarf an Pflegekräften deutlich. Laut dem Berliner Kurier fehlen rund 35.000 Pflegekräfte, was durch die Corona-Krise noch verstärkt wurde. In Reaktion darauf hat die Bundesagentur für Arbeit eine Vermittlungsabsprache mit dem indischen Bundesstaat Kerala geschlossen, um Pflegefachkräfte für deutsche Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen zu rekrutieren. Die ersten Pflegekräfte sollen nach einer mehrmonatigen Vorbereitung im Jahr 2023 nach Deutschland kommen.
Dies stellt die zweite Vermittlungsabsprache der Bundesagentur mit einem Nicht-EU-Staat dar. Besonders wichtig bei den Verhandlungen war die Sicherstellung, dass Pflegekräfte nicht aus Ländern mit eigenen Mangel rekrutiert werden. Im Bundesstaat Kerala übersteigt die Anzahl der Pflegekräfte pro Einwohner den indischen Landesdurchschnitt und den Richtwert der Weltgesundheitsorganisation. Mit einem prognostizierten Anstieg der Pflegebedürftigen in Deutschland auf rund sechs Millionen bis 2030 wird der Mangel an Pflegekräften weiterhin ein großes Problem darstellen. Vor der Ausreise sollen die Pflegekräfte in ihrem Heimatland sprachliche und fachliche Unterstützung erhalten.