
Friedrich Merz, der Vorsitzende der CDU und designierte Bundeskanzler, sieht sich während der laufenden Koalitionsgespräche mit der SPD heftiger Kritik ausgesetzt. Umfragen zeigen einen dramatischen Vertrauensverlust für Merz und seine Partei. Laut dem RTL/ntv-Trendbarometer liegt die Union aktuell bei 25 Prozent — nur einen Prozentpunkt vor der AfD, die bei 24 Prozent rangiert. Seit der Bundestagswahl am 23. Februar hat die CDU/CSU 3,5 Prozentpunkte verloren.
Die Glaubwürdigkeit von Merz erleidet ebenfalls einen Rückschlag: Nur 28 Prozent der Befragten halten ihn für vertrauenswürdig, wobei dieser Wert im Osten Deutschlands sogar auf 16 Prozent sinkt. Eine Umfrage zeigt, dass 70 Prozent der Deutschen Merz misstrauen und 82 Prozent der Süddeutschen ihn für nicht vertrauenswürdig halten. Die Unzufriedenheit innerhalb der CDU-Basis wächst, da viele Mitglieder enttäuscht über Merz und die Koalitionsverhandlungen sind.
Interne Kritik und Koalitionsverhandlungen
Simon Sopp, ehemaliger Unterstützer von Merz, äußert seine Verbitterung und Hoffnungslosigkeit über die aktuelle Lage. Max Mörseburg, der CDU-Kreisvorsitzende in Stuttgart, berichtet von einer zunehmenden Zahl an Parteiaustritten. Auch Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, kritisierte das Wahlergebnis von 28,6 Prozent sowie den Kurswechsel bezüglich der Schuldenbremse in der ARD-Sendung „Maischberger“.
Ein anonymes CDU-Vorstandsmitglied wirft Merz und dem CSU-Chef Markus Söder strategisches Versagen vor. Tilman Kuban, ein CDU-Abgeordneter aus Niedersachsen, fordert für den bevorstehenden Koalitionsvertrag ein Verhältnis von zwei Dritteln Unions- und einem Drittel SPD-Forderungen. Merz selbst hofft auf bessere Umfragewerte sowie einen Stimmungsumschwung innerhalb der CDU-Basis, während in seiner Heimatstadt Brilon Verunsicherung über die Änderungen an der Schuldenbremse herrscht. Georg Günther, Bundestagsabgeordneter, warnt vor Unruhe, sollte der Koalitionsvertrag keine klare CDU-Handschrift tragen.
Zusätzlich steht Merz unter Druck durch die internen Spannungen und allgemeine Unzufriedenheit, die in den letzten Wochen zugenommen haben. Parteianhänger fordern eine stärkere konservative Ausrichtung der CDU und eine Abkehr von der SPD. Während die Sondierungsgespräche zwischen SPD und CDU sich in der Schlussphase befinden, äußert Alexander Dobrindt von der CSU Optimismus über Fortschritte in den Verhandlungen.
Intern wird die Kritik an den Ergebnissen der Sondierungsgespräche laut, und Mitglieder stellen das Sondierungspapier als unzureichend dar. Zudem gibt es Diskussionen über den Umgang mit der AfD, in denen Forderungen nach einer Aufhebung der „Brandmauer“ und einer Zusammenarbeit in Sachfragen laut werden. Andreas Rödder, ehemaliger Vorsitzender der CDU-Grundwertekommission, fordert klare „rote Linien“ im Umgang mit der AfD, während ein ARD-„Deutschlandtrend“ das sinkende Vertrauen in Merz dokumentiert: 70 Prozent der Befragten zeigen sich unzufrieden mit ihm. Die CDU verliert in den Umfragen aktuell 3 Prozentpunkte und erreicht 26 Prozent, während die AfD um 3 Punkte auf 24 Prozent steigt. Die SPD äußert Besorgnis über den Rechtsruck in der Bevölkerung und die Vertrauenskrise der Union.