
Im Landkreis Diepholz ist die Zahl der Wildunfälle auf ein besorgniserregendes Niveau gestiegen. Jäger und die Unfallkommission des Landkreises haben Maßnahmen ergriffen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen und die Öffentlichkeit auf die Risiken aufmerksam zu machen. Besonders im Frühjahr, insbesondere im April, kommt es vermehrt zu Wildunfällen. Dies zeigt sich auch in der Anzahl der Meldungen, die mittlerweile im vierstelligen Bereich liegen.
Warnhinweise an Straßen sollten von Verkehrsteilnehmern ernst genommen werden, vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung, wenn Wildwechsel besonders häufig ist. Jäger im Hegering Hemsloh beklagen sich darüber, dass sie oft als „Müllentsorger“ für verunfalltes Wild betrachtet werden und fordern eine bessere Kommunikation mit der Polizei sowie mehr Wertschätzung für ihre Arbeit. Polizeihauptkommissar Ingo Büntemeyer hebt die Notwendigkeit einer aktualisierten Jagdkarte und klarerer Ortsbeschreibungen hervor, um die Zusammenarbeit zwischen Jägern und Polizei zu verbessern.
Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit
Um die Wachsamkeit der Autofahrer zu erhöhen, können Jäger ab sofort kostenlose orange-rot lackierte Dreibeine mit dem Schild „Wildunfall“ in den Feuerwehrtechnischen Zentralen in Barrien und Wehrbleck abholen. Diese Dreibeine sollen an relevanten Unfallorten aufgestellt werden. Die Finanzierung erfolgt durch Mittel aus Bußgeldern, die in die Verkehrssicherheit fließen. Die Aktion wurde initiiert, da fast jeder vierte Unfall ein Wildunfall ist.
Zusätzlich zu den neuen Dreibeinen wird ein umfassendes Vorgehen empfohlen, wenn es zu einem Wildunfall kommt. Autofahrer sollten zunächst die Unfallstelle absichern und die Polizei oder den zuständigen Jagdpächter informieren. Es ist ratsam, a) Abstand zu verletzt oder verendetem Wild zu halten, b) das tote Tier nicht mitzunehmen (was Wilderei ist), und c) die Unfallstelle sowie Fahrzeugschäden zu dokumentieren. Jägermeister Cord-Hinrich Hespe weist auf die Schwierigkeiten hin, die Unfallverursacher auf zivilrechtlichem Weg verantwortlich zu machen, und berichtet von einem anhaltenden Rückgang der Wertschätzung für den Aufwand, den die Jäger betreiben, trotz der jährlich hohen Zahl an Wildunfällen.
In den Revieren des Hegerings Hemsloh machen angefahrene Tiere bis zu zwei Drittel der Gesamtzahlen aus. Schätzungen zufolge sterben im Südkreis etwa 80 Prozent des Fallwildes durch Straßenverkehr, im letzten Jahr waren es rund 1.200 Tiere, überwiegend Rehe und Hasen. Präventionsmaßnahmen, wie das Aufstellen von blauen Reflektoren an Straßenpollern, sind eine weitere Strategie, die zur Verringerung von Wildunfällen beitragen soll.