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VCD warnt: Tempo 30 in Pforzheim für bessere Luft und weniger Lärm!

Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) übt scharfe Kritik an der jüngsten Aktualisierung des Lärmaktionsplans in Pforzheim. Entgegen der ursprünglichen Zielsetzungen hat sich die Zahl der von Straßenverkehrslärm betroffenen Einwohner in der Stadt seit der Einführung der Lärmaktionspläne im Jahr 2007 mehr als verdoppelt, von rund 12.000 auf über 26.000. Dies bedeutet, dass mittlerweile etwa 20 Prozent der Bevölkerung Pforzheims unter den Folgen von Lärm leiden.

Der VCD-Kreisvorsitzende Marlon Frommer äußerte Bedenken bezüglich der geplanten Aufhebung des Tempo-30-Limits auf Hauptverkehrsstraßen. Diese Maßnahme würde voraussichtlich zu einer erheblichen Mehrbelastung führen, indem die Zahl der Anwohner, die durch besonders gesundheitsgefährdenden Straßenlärm (über 74 dB(A)) betroffen sind, sich verdoppeln könnte. Auch die Betroffenheit in der Lärmschwelle von 70 bis 74 dB(A) würde laut den Berechnungen von 6.705 auf 7.598 Einwohner ansteigen, was einem Anstieg von 13 Prozent entspricht.

Forderungen für weniger Lärm in Pforzheim

Angesichts der alarmierenden Lärmdaten fordert der VCD eine einheitliche Tempo-30-Regelung für alle Straßen im Pforzheimer Stadtgebiet, um sowohl Fuß- als auch Radverkehr zu fördern. Parallel dazu ist ein Anstieg des Anteils des Autoverkehrs von unter 50 Prozent auf mittlerweile 61 Prozent in der Stadt festgestellt worden. Der VCD fordert zudem die Abschaffung der sogenannten „Brötchentaste“, die kostenloses Parken ermöglicht, und plädiert für die Einführung angemessener Gebühren beim Anwohnerparken. Mindestparkgebühren sollten in Höhe eines Einzelfahrscheins beim Bus angesetzt werden, um die Einnahmen der Stadt zu erhöhen.

Zusätzlich wird eine konsequente Bevorrechtigung des Busverkehrs gefordert sowie eine beschleunigte Umstellung der ÖPNV-Busflotte auf Elektroantrieb, um Lärmminderung zu erreichen. Eine entsprechende Verbesserung des Taktangebots, konkret ein 10-Minuten-Takt auf den Hauptlinien des Busverkehrs, soll ebenfalls zeitnah umgesetzt werden.

Weltweit sind rund 16 Millionen Menschen in Deutschland gesundheitlich durch Straßenverkehrslärm belastet, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der VCD in einer gemeinsamen Stellungnahme berichteten. Der Lärm, der nach Luftverschmutzung die zweitgrößte umweltbedingte Ursache für Gesundheitsprobleme darstellt, verlangt nach dringenden Maßnahmen. Kommunen sind verpflichtet, bis zum 18. Juli 2024 neue Lärmaktionspläne vorzulegen, um die Lärmbelastung zu reduzieren. Auf dieser Basis fordern die beiden Organisationen flächendeckend Tempo 30 innerorts sowie den starken Ausbau des öffentlichen Verkehrs und von Fuß- und Radwegen. Laut einer Studie wird eine Geschwindigkeitsreduzierung von 50 auf 30 km/h akustisch wie eine Halbierung der Verkehrsmenge wahrgenommen, was die Dringlichkeit dieser Forderungen untermauert.