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Digitale Patientenakte: Wie Senioren die Technik erobern wollen!

Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) in Deutschland sorgt für zahlreiche Diskussionen über digitale Teilhabe und Unterstützung älterer Menschen. Die ePA wird automatisch für jeden Menschen erstellt und ist eine wichtiges digitales Angebot im Gesundheitswesen.

Informationen zur ePA sind auf den Webseiten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zugänglich. Dennoch bestehen Bedenken hinsichtlich der digitalen Teilhabe, insbesondere für Menschen ohne Zugang zu einem PC oder Smartphone. Dies betrifft vor allem Senioren, die oft Schwierigkeiten im Umgang mit neuer Technologie haben. Vor der Bundestagswahl richtete die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen spezifische Fragen zur digitalen Teilhabe an die politischen Parteien.

Programme zur Unterstützung älterer Menschen

Die Kolpingjugend im Bistum Eichstätt hat das Programm „Jung lehrt Alt“ ins Leben gerufen, um älteren Menschen den Umgang mit digitalen Geräten näherzubringen. Seit mehr als zehn Jahren stehen etwa 20 Vereinsmitglieder bereit, um in kleinen Gruppen Fragen zu Handys, Tablets und PCs zu beantworten. Diese Treffen werden häufig in Kooperation mit dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) organisiert.

Florian Siegmund von der Kolpingjugend erinnert daran, dass viele der Teilnehmer über 80 Jahre alt sind und Unterstützung bei neuen Technologien suchen. Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung auch im KDFB vorangetrieben, der inzwischen Online-Fortbildungen und Kurse anbietet. Nichtsdestotrotz gibt es Bedenken für Menschen, die nicht aktiv in Vereinen sind oder keinen Internetzugang haben, wie Margit Hummel anmerkt, die Vorträge zur ePA für Senioren plant und feststellt, dass viele überfordert sind.

Zusätzlich bieten die Malteser im Bistum Smartphone-Workshops und IT-Treffs für Senioren an, um den Umgang mit digitalen Medien zu erleichtern. Auch die Katholische Stadtkirche Nürnberg engagiert sich und bietet Unterstützung bei Online-Angelegenheiten sowie regelmäßige Sprechstunden für Ratsuchende an. Es zeigt sich jedoch eine wachsende Offenheit unter älteren Menschen, sich mit digitalen Technologien auseinanderzusetzen.

Ältere Menschen könnten von digitalen Anwendungen im Gesundheitsbereich profitieren, haben jedoch oft Schwierigkeiten, mit neuen Entwicklungen Schritt zu halten. Dr. med. Gordon Weinberg berichtete von einer großen Anzahl älterer Patienten, die keine E-Rezept-App auf ihrem Smartphone haben oder noch nie davon gehört haben, während auch 2021/22 etwa 8,5 Millionen Menschen über 60 Jahre in Deutschland noch nie das Internet genutzt haben.

Eine gut funktionierende digitale Patientenakte könnte die Versorgung von geriatrischen Patienten erheblich verbessern, da diese häufig multimorbide sind. Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) der Bundesregierung betont, dass der Zugang zu digitalen Infrastrukturen und die entsprechenden digitalen Kompetenzen essenziell sind.

Die Digitalkompetenz unter älteren Menschen in Deutschland ist im Vergleich zu jüngeren Bevölkerungsschichten gering. Nur 24% der über 76-Jährigen glauben, von der Digitalisierung profitieren zu können. Lösungen müssen entwickelt werden, um digitale Angebote altersgerecht zu gestalten.

Ein weiteres Beispiel für die Unterstützung bei digitalen Gesundheitsanwendungen ist der „Digital Health Truck“ in Baden-Württemberg, der darauf abzielt, digitale Gesundheitsanwendungen erlebbar zu machen und ältere Menschen zu erreichen. Zudem haben nur 28% der 65- bis 74-Jährigen in Deutschland grundlegende digitale Kompetenzen, während dieser Wert in den Niederlanden bei 61% liegt.

Niedrigschwellige Angebote, wie offene Sprechstunden zur Digitalisierung, werden in verschiedenen Gemeinden bereitgestellt. Dennoch wurde festgestellt, dass nur 7% der geförderten Projekte im Rahmen des DigitalPakts Alter sich auf Gesundheit und Pflege fokussieren, wodurch es wichtig bleibt, die Unterstützung durch Fachkräfte im Gesundheitswesen zu verstärken.