EuropaWissenschaft

Wölfe in Deutschland: Gefahr oder Chance für die Natur?

Die Wolfspopulation in Europa hat in den letzten zehn Jahren um 58 Prozent zugenommen. Dieser Anstieg wird als bedeutender Erfolg im Naturschutz betrachtet, wie Cecilia Di Bernardi von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften betont. Während die Rückkehr der Wölfe positive Aspekte mit sich bringt, stellt sie auch Herausforderungen für die Landwirtschaft dar.

Aktuelle Schätzungen zufolge leben in der EU etwa 19.000 Wölfe, die im Durchschnitt drei Nutztiere pro Jahr töten. Dies führt zu jährlichen Entschädigungszahlungen in Höhe von etwa 17 Millionen Euro. Wölfe gelten als einer der Hauptgründe für den Anstieg von Wolfsrissen, die insbesondere ungeschützte Weidetiere betreffen. Laut [BMEL](https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/artenvielfalt/wolf.html) stieg die Anzahl der verwundeten und getöteten Tiere von 40 im Jahr 2006 auf rund 5.727 Tiere bei 1.268 Übergriffen im Jahr 2023. Ein erheblicher Teil dieser Übergriffe betraf Schafe und Ziegen.

Schutzmaßnahmen und rechtliche Rahmenbedingungen

In Deutschland wurden im Monitoringsjahr 2023/2024 insgesamt 209 Wolf-Rudel, 46 Wolfspaare und 19 territoriale Einzeltiere registriert. Die Ausbreitung der Wolfspopulation hat zu einem Anstieg der Kosten für Herdenschutzmaßnahmen geführt, die im Jahr 2023 rund 18,5 Millionen Euro betragen haben. Herdenschutzhunde, Elektrozäune und Wildgatterzäune sind einige der präventiven Maßnahmen, die von Nutztierhaltern ergriffen werden, um Wolfsübergriffe zu verhindern.

Die rechtliche Situation für den Wolf ist besonders geschützt. Gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz ist das Fangen oder Töten geschützter Tiere grundsätzlich verboten. Eine Änderung des Gesetzes, die am 13. März 2020 in Kraft trat, ermöglicht jedoch die erleichterte Entnahme von „problematischen“ Wölfen, wenn ernsthafte wirtschaftliche Schäden drohen. Dies soll den Nutztierhaltern mehr Rechtssicherheit im Umgang mit dem Wolf bieten.

Zusätzlich zeigen aktuelle Daten, dass in Deutschland seit 2000 keine aggressiven Annäherungen von Wölfen an Menschen nachgewiesen wurden. In Europa sind keine tödlichen Angriffe von Wölfen auf Menschen seit 2002 dokumentiert. Ein hauptsächliches Risiko für Menschen besteht, wenn Wölfe furchtloses Verhalten zeigen und menschliche Nahrung konsumieren. Positive Auswirkungen der Wölfe, wie die Verringerung von Verkehrsunfällen mit Wildtieren, werden oft übersehen. In Wisconsin beispielsweise sank die Anzahl der Autounfälle mit Weißwedelhirschen um 24 Prozent, als Wölfe dort wieder vorkamen, was auch in anderen europäischen Regionen zu einer Verringerung von Schäden durch Wildtiere führt.

Die Debatte über den Wolf und dessen Schutz trifft auf teilweise kontroverse Meinungen. Die EU-Kommission plant, Wölfe von einem „sehr strengen“ auf einen „strengen“ Schutz herabzustufen, was den Abschuss erleichtern könnte. Diese Entwicklungen werfen Fragen über die Zukunft des Wolfs in Europa auf und bedeuten, dass sowohl Naturschutz als auch die Belange der Landwirtschaft weiterhin im Mittelpunkt der Diskussion stehen müssen.