Ravensburg

Späterer Schulbeginn in Ravensburg: Schüler und Eltern gespalten!

Am Welfen-, Spohn- und Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) in Ravensburg wird derzeit eine Umfrage zur Einführung eines späteren Schulbeginns durchgeführt. Ziel ist es, den Schulstart von bisher 7.30 Uhr auf 8.15 Uhr zu verschieben, was rund 1700 Schüler betreffen würde. Laut den bisherigen Umfrageergebnissen unterstützen etwa 54 % der 740 befragten Eltern diese Maßnahme, während 651 von 1235 Schülern, was rund 53 % entspricht, dagegen sind. Die Schulleiter berichtet von einer „deutlichen Zustimmung“ des Kollegiums zu dem Vorschlag.

Die Umfrageergebnisse dienen als Meinungsbild und sind nicht bindend. Die Thematik wird in den Gesamtlehrerkonferenzen und Schulkonferenzen der drei Gymnasien weiter diskutiert. In diesen Schulkonferenzen sind jeweils vier Vertreter der Lehrer-, Eltern- und Schülerschaft vertreten. Eine Projektgruppe hat außerdem auf wissenschaftliche Erkenntnisse hingewiesen, die einen späteren Schulbeginn für Pubertierende empfehlen. Eine Beschlussvorlage, die auch Anpassungen im öffentlichen Nahverkehr berücksichtigt, wird derzeit erstellt. Kritiker äußern jedoch Bedenken zur Umsetzbarkeit dieser Anpassungen, während Schülervertreter fordern, dass die Stimmen der Schüler stärker gewichtet werden sollten. Sollte es zu einer Zustimmung aller drei Schulkonferenzen kommen, könnte der spätere Schulbeginn frühestens im Schuljahr 2026/27 umgesetzt werden.

Hintergründe und wissenschaftliche Erkenntnisse

Eine Recherche zur Thematik zeigt, dass Jugendliche zwischen acht und zehn Stunden Schlaf benötigen, dies jedoch häufig nicht erreichen. Eine Studie der Uni Marburg, die 8800 Jugendliche untersucht hat, stellt fest, dass der frühe Schulbeginn ein Grund für den Schlafmangel ist. Amerikanische Forschungen belegen, dass Jugendliche während der Pubertät später ins Bett gehen, wobei 17-Jährige oft erst nach 23 Uhr einschlafen und somit ein Schlafdefizit aufweisen. Strikte Eltern können dabei nicht gewährleisten, dass ihre Kinder früher schlafen, da dies dem natürlichen Rhythmus der Jugendlichen widerspricht. Wissenschaftler sind sich einig, dass ein späterer Schulbeginn für alle Schüler vorteilhaft wäre.

Chronischer Schlafentzug kann ernsthafte Folgen haben, wie Übergewicht, Lernschwierigkeiten und gesundheitliche Probleme. Studien zeigen, dass weniger als sieben Stunden Schlaf pro Nacht die Zensuren verschlechtern und dass Schüler bessere Leistungen erbringen, wenn schriftliche Arbeiten später am Tag stattfinden. Eine Untersuchung von 2700 Jugendlichen in der Schweiz hat zudem ergeben, dass 15 Minuten mehr Schlaf die Aufmerksamkeit im Unterricht verbessert. In den USA konnte ein signifikanter Rückgang bei Autounfällen von 70 % bei 16- bis 18-Jährigen festgestellt werden, als der Schulbeginn von 7.35 Uhr auf 8.55 Uhr verschoben wurde.