
In Balingen fand eine Aktion zum Weltfrauentag statt, die sich mit den Herausforderungen der Gleichberechtigung beschäftigt. Am Freitag wurden 150 Postkarten von Frauen aus dem Zollernalbkreis an den Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß übergeben. Diese Postkarten enthalten verschiedene Forderungen, die während einer Veranstaltung überreicht wurden, die von Salvatore Bertolino, dem Vorsitzenden des Verdi-Ortsvereins Zollernalb, organisiert wurde.
Der „Baum der Gleichberechtigung“, ein Herbst-Flammen-Ahorn, wurde im Mai 2022 gepflanzt und steht symbolisch für die Gleichheit der Geschlechter. Annegret Lang eröffnete die Veranstaltung und unterstrich die Dringlichkeit der angesprochenen Themen. Auch Bürgermeister Ermilio Verrengia unterstützte die Anliegen der Frauen und betonte, dass die Gleichberechtigung als Grundrecht anzusehen sei.
Forderungen und Herausforderungen
Die Veranstaltung bot einer Reihe von Rednerinnen die Möglichkeit, ihre Anliegen vorzutragen. Sabrina Hipp hob die Bedeutung der Care-Arbeit hervor und forderte ein Umdenken. Danielle Bosch thematisierte die Teilzeitfalle, ungleiche Bezahlung und den notwendigen Ausbau von Kitaplätzen. Annelie Sanyang kritisierte die mangelhaften Plätze und die unsichere Finanzierung in Frauenhäusern, während Nicole Platzdasch mehr gesellschaftliche Anerkennung für die Arbeit von Frauen forderte und auf bestehende Diskriminierung hinwies.
Thomas Bareiß nahm die Postkarten entgegen und signalisierte, dass ihm die Forderungen ernst seien. Er erkannte an, dass Verbesserungen notwendig sind, wies jedoch auch auf die Verantwortung der Gesellschaft hin und betonte die begrenzten Möglichkeiten des Staates. In einer Einigung mit Lang wurde ein weiterer Dialog angeregt. Bareiß wurde zudem zur Teilnahme an einer Sensibilisierungsschulung aufgefordert.
Die Diskussion um die Gleichstellung der Geschlechter wird durch umfassende Studien und Berichte wie die von Daria Abramov, stellvertretende Vorsitzende der dbb jugend, ergänzt. Diese zeigen, dass Frauen 44,3% mehr Zeit in Care-Arbeit investieren als Männer und dass 84% der Teilzeitbeschäftigten im öffentlichen Dienst Frauen sind. Teilzeitarbeit kann langfristig zu finanziellen Nachteilen führen, darunter geringere Rentenversicherungsbeiträge und eine erhöhte Altersarmut.
Ein Umdenken in der Gesellschaft ist notwendig, damit die Verteilung der Care-Arbeit fairer gestaltet wird. Vorschläge zur Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit umfassen unter anderem mehr Top-Sharing in Führungspositionen, flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice und eine Verbesserung der Kinderbetreuung durch Investitionen in Kitas und den Ausbau von Ganztagsbetreuungsplätzen.
Die Probleme sind vielschichtig. So übersteigt die Nachfrage nach Betreuungsplätzen das Angebot, was viele berufstätige Frauen benachteiligt. Flexible Lösungen wie Eltern-Kind-Büros werden als mögliche Ansätze zur Unterstützung von Müttern diskutiert, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern, wie auch in staatklar.org beschrieben.