
Der Bund Naturschutz in Bayern äußert alarmierende Bedenken hinsichtlich der geplanten Abschaffung der Abschussplanung für Reh-, Rot- und Gamswild durch den Jagdminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern. In einem offenen Brief appelliert der Bund an Landräte, Bürgermeister und Untere Jagdbehörden, um auf die drohenden Auswirkungen für die Wälder hinzuweisen.
Der Bund Naturschutz sieht die effektive Bejagung als notwendiges Mittel zur Erhaltung der Wälder. In verschiedenen Landkreisen zeigt sich ein differenzierter Zustand der Verbissbelastungen: So haben im Landkreis Miesbach drei von vier Hegegemeinschaften tragbare bis günstige Verbissbelastungen, was auf eine erfolgreiche Abschussplanung hinweist. Demgegenüber weisen alle sieben Hegegemeinschaften im Landkreis Garmisch-Partenkirchen eine überhöhte Verbissbelastung auf, die seit vielen Jahren anhält.
Regionale Unterschiede in der Verbissbelastung
In Bad Tölz-Wolfratshausen haben sieben von zehn Hegegemeinschaften tragbare Verbissbelastungen, während drei sich im kritischen Bereich befinden. Auch in Fürstenfeldbruck zeigt sich ein gemischtes Bild: Eine von vier Hegegemeinschaften hat eine zu hohe Verbissbelastung, eine erhält die Bestbewertung „günstig“. In Landsberg am Lech verzeichnen fünf von sechs Hegegemeinschaften eine positive Entwicklung.
Im Landkreis Starnberg gelten vier von fünf Hegegemeinschaften als tragbar, eine ist kritisch. In Weilheim-Schongau hingegen haben nur vier von zwölf Hegegemeinschaften eine gute Bewertung, während acht zu hohe Verbissbelastungen verzeichnen. Besorgniserregend ist, dass in einigen als „rot“ eingestuften Hegegemeinschaften der untragbare Zustand seit 2006 besteht.
Der Bund Naturschutz fordert zur Bekämpfung dieser Problematik höhere Abschusszahlen für Jagdreviere, in denen seit langem hohe Verbissbelastungen herrschen, sowie mehr Transparenz in der Abschussplanung. Die Abschussplanung in Bayern wird alle drei Jahre auf Basis forstlicher Gutachten erstellt, um die Wildbestände im Einklang mit der natürlichen Waldverjüngung zu halten.
Zusätzlich berichtet Richard Mergner, Landesvorsitzender des BN, über die stagnierende hohe Verbissbelastung in Bayern, die seit 20 Jahren anhält. Etwa die Hälfte der 750 Hegegemeinschaften in Bayern weist weiterhin zu hohe Verbissbelastungen auf, insbesondere betroffen sind Eichen und Tannen, die während der Klimakrise für die Waldverjüngung entscheidend sind.
Mergner fordert eine konsequente Umsetzung der Empfehlungen aus forstlichen Gutachten und eine Erhöhung der Abschüsse in bestimmten Revieren, in denen Jungwald ohne Schutz nicht aufwachsen kann. Besonders in Unter- und Mittelfranken ist die Verbissbelastung in rund 70 % der Hegegemeinschaften kritisch, während 31 % in Niederbayern und 38 % in Oberbayern betroffen sind.
In 78 % der Hegegemeinschaften haben sich die Verbissverhältnisse seit 2012 nicht konstant gut entwickelt, während 22 % dauerhaft ungünstige Bedingungen aufweisen. Besondere Sorge gilt dem Bergwald, wo die Verbissbelastung bei der Tanne angestiegen ist. Der Bund Naturschutz fordert zudem eine Reduzierung der Bestände an Rothirschen und Gemsen, um die natürliche Waldverjüngung zu fördern. Positiv hervorzuheben sind jedoch die Fortschritte in einer steigenden Anzahl „grüner“ Hegegemeinschaften und Jagdreviere, wofür der Bund Naturschutz den Förstern, Waldbesitzern und Jägern dankt, die sich für eine waldfreundliche Jagd einsetzen.