Wetteraukreis

Bäckermeister aus Schotten: Internationales Team stärkt die Zukunft!

Joachim Haas, Vulkanbäcker aus Schotten, zeigt einen innovativen Ansatz, um dem Fachkräfte- und Personalmangel im Bäckerhandwerk entgegenzuwirken. Er bildet junge Menschen aus dem Ausland aus und integriert sie langfristig in seinen Betrieb. In seinem 100-köpfigen Team arbeiten Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern, darunter die Türkei, Polen, Eritrea und Pakistan.

Die Bäckerei von Haas hat insgesamt sieben Filialen und beliefert auch soziale Dienste. In der Backstube arbeiten 15 Mitarbeiter, während weitere fünf in der Verwaltung tätig sind. Die Produktion beginnt mitten in der Nacht und endet gegen 10 Uhr, wobei jüngere Mitarbeiter gesetzeskonform erst nach 4 Uhr in den Betrieb kommen dürfen. Haas strebt an, nur so viel zu produzieren, wie nach Bestellungen benötigt wird, um Überschüsse zu vermeiden.

Ausbildung und Integration aus dem Ausland

Um die Integration zu fördern, hat Haas eine Agentur in Stuttgart kontaktiert, die junge Menschen aus Marokko vermittelt. Hicham Zaim, ein 32-jähriger marokkanischer Mitarbeiter, absolviert seit einem Jahr eine Ausbildung in der Bäckerei und spricht bereits gut Deutsch. Die Berufsschule findet ein- bis zweimal pro Woche in Gießen statt.

Haas betont die Notwendigkeit von Zuwanderung für die Zukunft seines Unternehmens und lobt die Zusammenarbeit mit dem Schottener Familien- und Jugendzentrum, das Sprachkurse organisiert. Am 1. April werden zudem vier weibliche Auszubildende aus Marokko in der Bäckerei begrüßt.

Das Handwerk allgemein sieht sich jedoch mit einem zunehmenden Fachkräftemangel konfrontiert, was durch sinkende Geburtenzahlen und steigende Renteneintritte verschärft wird. Wie der Bundeszentrale für politische Bildung berichtet, ist der Anteil der unter 20-Jährigen in Deutschland von 27 Prozent im Jahr 1980 auf aktuell 18 Prozent gefallen. Für das Jahr 2036 wird prognostiziert, dass etwa 12,5 Millionen Erwerbspersonen in den Ruhestand gehen werden, was die Suche nach neuen Fachkräften erheblich erschwert.

Die Schätzungen des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH) gehen davon aus, dass rund 250.000 Handwerker*innen fehlen. Der Migranten-Anteil unter den Auszubildenden im Handwerk ist von 5 Prozent im Jahr 2005 auf 13,7 Prozent im Jahr 2021 gestiegen. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass Zuwanderung eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels im Handwerk spielt, allerdings kann sie diesen nicht vollständig lösen.