
In Baden-Württemberg stehen die Bemühungen um die Inklusion von Schülern mit und ohne Behinderung vor großen Herausforderungen. Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, hat die bestehende Situation als unzureichend bezeichnet und fordert einen pragmatischen Mittelweg. Laut einem Bericht von SWR sind Mangel an Lehrkräften, unzureichende Qualifikation der Mitarbeiter und finanzielle Engpässe im Bildungssystem signifikante Probleme, die die Umsetzung der Inklusion behindern.
Palmer hebt hervor, dass die Inklusion an jeder Schule ineffizient sei und plädiert dafür, die Mittel für Sonderschulen, also Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren, zu bündeln. Dies geschieht im Kontext der Richtlinien der UN-Behindertenrechtskonvention, die eine integrative Bildung anstrebt. Im Gegensatz dazu fordert die SPD-Politikerin Kliche-Behnke eine Verbesserung der Qualifikation für Fachkräfte und eine höhere Anzahl von Sonderpädagogen, da auch an sonderpädagogischen Schulen ein Lehrerbedarf besteht. Einigkeit herrscht darüber, dass in diesem Bereich dringender Handlungsbedarf besteht.
Initiativen zur Verbesserung der Inklusion
Die Diskussion um die Inklusion von Menschen mit Behinderungen wird auch durch den neuen Landesaktionsplan in Baden-Württemberg geprägt. Laut sozialministerium.baden-wuerttemberg.de zielt dieser Plan darauf ab, die vollumfängliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen zu gewährleisten und sieht ein grundlegendes Umdenken vor. Es müssen physische Barrieren abgebaut und gesellschaftliche Einstellungen zu Menschen mit Behinderungen verändert werden.
Der erste Landesaktionsplan, der im Juni 2015 beschlossen wurde, sollte die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention unterstützen und umfasst Schwerpunkte wie Inklusion im Erwerbsleben und Bildung. Eine Evaluation dieses Plans hat gezeigt, dass die Beteiligung von Menschen mit Behinderungen an der Inklusionspolitik verbessert werden muss.
Der aktuelle Beteiligungsprozess für einen neuen Landesaktionsplan, der bis Herbst 2023 läuft, wird von der Allianz für Beteiligung im Auftrag des Sozialministeriums geleitet. Hierbei wurden sechs Arbeitsgruppen zu relevanten Themen gebildet. Der finale Entwurf des neuen Landesaktionsplans, der auf den Ergebnissen dieses Prozesses basiert, wird eine Übersicht zu neuen Maßnahmen bieten und auch in einer barrierefreien Fassung veröffentlicht.